Martin Rinderknecht
8. März 2025
Auswirkungen des Klimawandels auf Rasenflächen, einschließlich Trockenheit, Schädlinge und extreme Wetterereignisse.
Nachhaltige Pflegepraktiken, wie wassersparende Bewässerungsmethoden, reduzierte Düngemittelnutzung und widerstandsfähigere Grassorten.
Technologische Innovationen in der Rasenpflege, darunter automatisierte Bewässerungssysteme, Bodenanalysen und innovative Saatgutmischungen.
Vergleich unterschiedlicher europäischer Regionen und deren Strategien zur Anpassung an klimatische Veränderungen.
Ich werde relevante Informationen aus aktuellen Studien, Berichten und Praxisbeispielen zusammentragen und dich informieren, sobald die Ergebnisse vorliegen.
Einführung
Der Klimawandel stellt die Pflege von Rasenflächen auf Sport- und Golfplätzen in Europa vor neue Herausforderungen. Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürreperioden und Starkregen nehmen zu und belasten die Grasnarbe und den Pflegeaufwand erheblich. Gleichzeitig begünstigen mildere Winter die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten.
In diesem Bericht werden die Auswirkungen dieser Veränderungen analysiert und nachhaltige Pflegepraktiken, technologische Innovationen sowie regionale Anpassungsstrategien in Europa vorgestellt. Konkrete Beispiele und Best Practices aus verschiedenen Ländern zeigen, wie Greenkeeper und Platzwarte den klimatischen Wandel bewältigen.
Auswirkungen des Klimawandels auf Rasenflächen
Trockenheit und Hitze
Lange Dürreperioden und Hitze führen dazu, dass Gräser ihr Wachstum einstellen und sich gelb verfärben.
Temperaturen über 30 °C schwächen selbst robuste Rasengräser; bei anhaltenden Hitzewellen kann das Absterben ganzer Rasenbereiche auftreten. In der Toskana (Italien) etwa vertrockneten 2022 die Fairways eines Golfplatzes mangels Wasser und geeigneter Grassorten vollständig – zurück blieben kahle Stellen und Unkräuter (Klimawandel bewirkt Umdenken in Italiens Golfszene – Golf Sustainable). Solche Dürreschäden schrecken nicht nur Spieler ab, sondern zwingen Anlagen jährlich zur kostspieligen Nachsaat. Insgesamt erfordern häufigere Hitzewellen ein Umdenken in der Rasenpflege, da herkömmliche Bewässerungsroutinen oft nicht mehr ausreichen.
Schädlinge und Krankheiten
Mildere Winter erlauben vielen Schädlingen und Krankheitserregern zu überleben, die früher durch Frost dezimiert wurden. Trockenstress schwächt zugleich die Abwehrkraft der Gräser, was zu vermehrtem Auftreten von Pilzerkrankungen (z.B. Dollarspot, Fusarium) führt.
Greenkeeper beobachten zunehmend Insektenlarven (Engerlinge) im Boden, etwa vom Junikäfer, die Wurzeln anfressen und ganze Rasenstücke zerstören.
Invasive Arten breiten sich nordwärts aus: So wurde eine ursprünglich südliche Wiesenschnaken-Art jüngst auch in Deutschland festgestellt, wo ihre Larven Golfgrüns schädigen.Krähen verschlimmern das Problem, indem sie den Rasen aufhacken, um die Larven zu fressen. Auch der aus Asien stammende Japankäfer wurde zuerst in Italien und der Schweiz gesichtet und alarmiert mittlerweile Fachleute in Mitteleuropa .
Diese Beispiele zeigen, dass Klimaveränderungen neue Schädlingswellen und Krankheiten bringen, welche die Rasenpflege erschweren.
Starkregen und extreme Wetterbedingungen
Der Klimawandel verändert auch die Niederschlagsmuster. Zwar nimmt die Gesamtniederschlagsmenge in vielen Regionen eher ab, doch Starkregenereignisse häufen sich.
Kurze, heftige Regenfälle führen oft zu oberflächlichem Abfluss, weil der ausgetrocknete Boden das Wasser nicht schnell genug aufnehmen .
Dies begünstigt Vernässungen und Bodenverdichtung, insbesondere auf Sportplätzen mit trittfestem Untergrund. Folge sind Pfützenbildung und Schäden an den Wurzeln. Plätze ohne ausreichende Drainage stehen nach Unwettern unter Wasser und werden unbespielbar. In Großbritannien etwa führen zunehmend extreme Regenfälle zu Überschwemmungen und wochenlangen Sperrungen von Golfplätzen. So mussten in Grafschaften wie Norfolk und Suffolk wiederholt Anlagen wegen Hochwasser geschlossen werden. Gleichzeitig können heftigere Stürme Bäume entwurzeln und die Infrastruktur von Golfanlagen beschädigen. Die Zunahme solch extremer Wetterlagen verlangt nach Anpassungen, damit Spielbetrieb und Sicherheit gewährleistet bleiben.
Nachhaltige Pflegepraktiken
Angesichts dieser Herausforderungen setzen viele Vereine auf nachhaltigere Rasenpflege, um die Belastbarkeit der Spielflächen zu erhöhen und Ressourcen zu schonen.
Wassersparende Bewässerung: Ein effizientes Wassermanagement hat oberste Priorität. Moderne Beregnungsanlagen mit Feuchtesensoren und Wettersteuerung sorgen dafür, dass nur bei Bedarf bewässert wird. Frühmorgendliche Bewässerung verringert die Verdunstung deutlich.
Wir empfehlen seltenere, dafür durchdringende Wassergaben – z.B. einmal wöchentlich ~20–30 L/m² statt täglich kleiner. Diese Methode fördert tiefe Wurzeln und macht den Rasen insgesamt trockentoleranter
Auf vielen Golfplätzen wird Regenwasser in Teichen gesammelt und in Trockenperioden genutzt. Beispiel: Der Royal Golf La Bagnaia (Italien) speichert in fünf Seen das Winterregenwasser und verfügt über eine Not-Brunnenquelle; dank kontinuierlicher Feuchtigkeitsmessung konnte der Wasserverbrauch trotz Hitze minimal gehalten werden. Mancher Club greift auch auf aufbereitetes Brauchwasser zurück, um kostbares Trinkwasser zu sparen. All dies reduziert den Wasserverbrauch erheblich. In Deutschland sind Head-Greenkeeper heute hochqualifiziert im ressourcensparenden Bewässerungsmanagement – jeder Milliliter Wasser wird gezielt ausgebracht und Verschwendung wird vermieden .
Reduzierte Dünge- und Chemikaliennutzung: Eine angepasste Düngung stärkt den Rasen, ohne ihm durch Überversorgung zu schaden. Übermässiger Stickstoffeinsatz fördert zwar kurzfristig sattes Wachstum, macht die Gräser aber anfälliger für Trockenstress und Krankheiten . Die Devise lautet daher: „Weniger ist mehr.“ Besser häufiger in kleineren Dosen düngen als selten mit großen Mengen Langzeitdünger auf organischer Basis werden bevorzugt – sie geben Nährstoffe nach und nach ab und beleben den Boden. Auch auf den richtigen pH-Wert (um 6,0–7,0) und ausreichend Kalium wird geachtet, da Kalium die Zellwände stärkt und Trockenheits- sowie Frosttoleranz erhöht .
Viele Clubs führen regelmäßige Bodenanalysen durch, um die Düngung exakt an den Bedarf anzupassen und Überdüngung zu. Neben Dünger wird auch der Einsatz von Pestiziden kritisch reduziert. Golfplätze wie der Bergkramerhof (Deutschland) etwa pflegen ihre Flächen vollständig ohne chemische Pflanzenschutzmittel. Stattdessen setzt man auf biologische Schädlingsbekämpfung (z.B. Nematoden gegen Engerlinge und kulturelle Maßnahmen. Kompost und Bodenhilfsstoffe ersetzen einen Teil der Mineraldünger: In Niederösterreich zeigte sich, dass Kompostgaben und Kompost-Tee (eine Mikrobenlösung) den Rasenfilz abbauen und als natürlicher Dünger wirken. Dies verbessert die Nährstoffversorgung auf natürliche Weise und spart Kunstdünger.
Bodenpflege und Belüftung: Ein gesunder Boden ist die Basis für widerstandsfähigen Rasen. Aerifizieren (Belüften) und Vertikutieren in regelmäßigen Abständen verhindern Bodenverdichtung und verbessern die Wasserdurchlässigkeit. Durch Hohlspoon-Aerifizierung und das Verfüllen der Löcher mit Sand-Kompost-Gemisch entstehen grobe Poren, in denen Wasser und Luft gespeichert werden (). Mikroorganismen im Boden (gefördert durch organische Düngung) sorgen dafür, dass Humuskrümel gebildet werden und der Boden wie ein Schwamm Wasser halten kann (). Diese „Schwammwirkung“ des Bodens ist gerade in Starkregen- und Dürrezeiten Gold wert: Sie verhindert oberflächlichen Abfluss und stellt den Gräsern länger Feuchtigkeit zur Verfügung. Einige Plätze erhöhen den Humusanteil gezielt durch Top-Dressing mit Kompost oder Spezialprodukte (etwa Pflanzenkohle), was in Versuchen die nötigen Bewässerungsintervalle um bis zu 50% verlängerte. Ebenso wichtig ist eine Anpassung der Mähgewohnheiten: In Trockenphasen wird der Schnitt höher eingestellt, damit mehr Blattmasse Schatten auf den Boden wirft und Verdunstung reduziert. Seltenes, aber gründliches Wässern und moderates Düngen ergänzen diese Strategie, um den Rasen stressresistenter zu machen.
Widerstandsfähigere Grassorten: Die Auswahl geeigneter Grassorten und -mischungen spielt eine entscheidende Rolle für die Zukunft. In Europa werden vermehrt trockenheitstolerante Gräser verwendet, die besser mit Hitze und Wassermangel umgehen (). Beispiele sind tiefwurzelnde Rohrschwingel (Festuca arundinacea) und genügsame Schwingel-Arten wie Schaf- und Rotschwingel. Diese können Trockenperioden überdauern, indem sie in eine Art Ruhestadium gehen und bei Regen rasch wieder austreiben. Auf intensiv bespielten Flächen wird oft ein Anteil Deutsches Weidelgras (Lolium perenne) beigemischt, da es sich schnell regeneriert. Mischungen verschiedener Arten kombinieren deren Stärken und ergeben belastbare Rasendecken für unterschiedliche Standorte. In Deutschland werden die standardisierten Regelsaatgutmischungen (RSM) laufend an neue Klimabedingungen angepasst. So enthält eine bewährte Mischung für Gebrauchs- und Spielrasen inzwischen 50–70 % trockenheitsverträglichen Rotschwingel. Hochwertige Zuchtsorten innerhalb solcher Mischungen bieten zusätzlich Krankheitsresistenzen und bessere Anpassungsfähigkeit. In Südeuropa geht man teils noch einen Schritt weiter und ersetzt klassische kühl-seasonale Gräser auf Fairways durch Warm-Season-Gräser wie Bermudagras (Cynodon dactylon). Diese Art kommt mit Hitze und Trockenheit ausgezeichnet zurecht und benötigt deutlich weniger Wasser. Allerdings verliert Bermudagras im Winter bei kühleren Temperaturen seine grüne Farbe und geht in Dormanz (Braunfärbung) über – ein Umstand, an den sich viele Mitteleuropäer erst gewöhnen müssen. Einige südeuropäische Anlagen übersehen deshalb im Herbst mit Rasengräsern der kühlen Saison (Overseeding), um auch im Winter ein grünes Erscheinungsbild zu haben. Unterm Strich tragen angepasste Gräsersorten wesentlich dazu bei, Rasenflächen robuster gegen Klimastress zu machen.
Technologische Innovationen in der Rasenpflege
Die Rasenpflege profitiert zunehmend von technologischen Fortschritten, die sowohl die Arbeitsabläufe erleichtern als auch Nachhaltigkeit und Effizienz steigern:
Automatisierte Bewässerungssysteme: Moderne Steuerungstechnik macht die Beregnung immer smarter. Intelligente Bewässerungscomputer beziehen Wetterdaten und Bodenfeuchte-Sensoren ein, um die genaue Wassermenge zur richtigen Zeit auszubringen. In vielen Golfanlagen sind die Regner sektionsweise programmierbar, sodass z.B. trockene Green-Bereiche intensiver und schattige Rough-Flächen weniger bewässert werden. Tropfbewässerung und unterirdische Tröpfelschläuche kommen testweise zum Einsatz, um Wasser direkt an die Wurzeln zu leiten und Verluste zu minimieren . Solche präzisen Systeme senken den Wasserverbrauch erheblich, ohne die Rasenqualität zu beeinträchtigen. Außerdem erlauben sie eine Fernüberwachung und -steuerung, sodass Greenkeeper bei Wetterumschwüngen sofort reagieren können. Ein positiver Nebeneffekt: Durch bedarfsgerechte Bewässerung bleiben die Böden stabiler, was auch der Spielqualität zugutekommt.
Moderne Bodenanalyse und Monitoring: Die Digitalisierung hält auch im Rasenplatz-Management Einzug. Tragbare Sensoren und Monitoring-Geräte messen Bodenfeuchte, Temperatur, pH-Wert und Nährstoffgehalte in Echtzeit. So kann z.B. erkannt werden, welche Areale trocken laufen oder wo Nährstoffe fehlen, noch bevor sichtbare Rasenstresssymptome auftreten. Einige Golfplätze setzen Drohnen mit Multispektralkameras ein, um aus der Luft die Vitalität des Grüns zu erfassen – Stressstellen werden via NDVI-Bild sichtbar gemacht, sodass gezielt nachgesät oder bewässert werden kann. Auch herkömmliche Bodenproben werden durch High-Tech ergänzt: Labore analysieren nicht nur die Chemie, sondern dank mikrobiologischer Tests auch das Bodenleben, was wichtige Hinweise für den Einsatz von Komposttee oder biologischen Mitteln gibt. Apps und Software helfen dabei, die Daten zu verwalten. Dadurch können Pflegemaßnahmen besser geplant und dokumentiert werden.Insgesamt ermöglichen solche Technologien eine präzisere, standortangepasste Pflege und helfen, Ressourcen zu schonen (z.B. Dünger nur dort auszubringen, wo tatsächlich Bedarf besteht). Greenkeeper können dank digitaler Unterstützung schneller Entscheidungen treffen, was in Zeiten unvorhersehbaren Wetters ein großer Vorteil ist.
Innovative Ausrüstung: Mechanische Neuerungen erleichtern die Arbeit und reduzieren den ökologischen Fußabdruck. Mähroboter halten inzwischen nicht nur Hausgärten, sondern auch erste Golfplätze kurz. Autonome Mäher (oft elektrisch betrieben) trimmen Fairways und Roughs kontinuierlich in geringer Schnitthöhe. Dies hat mehrere Vorteile: Die Gräser werden immer nur wenig gekürzt, was stressärmer ist; der Rasenschnitt verbleibt als Mulch auf der Fläche und dient als natürlicher Dünger; und die Akkubetriebenen Roboter stoßen keine Abgase aus. Nordeuropäische Studien (ROBO-Golf-Projekt) zeigen zudem, dass leichte Roboter nach Regen schneller einsetzbar sind als schwere Maschinen und die Bodentragfähigkeit weniger beeinträchtigen. Neben dem Mähen wird auch die Düngung und Spritzung präziser: GPS-gesteuerte Streuer und Sprühsysteme passen die Ausbringmenge automatisch der Fahrgeschwindigkeit an und erlauben teilflächenspezifische Behandlung. Dadurch werden Überlappungen oder Lücken vermieden und Chemikalien eingespart. Einige Anlagen experimentieren mit robotischen Bodenpflegesystemen, die z.B. autonom aerifizieren oder Unkraut mechanisch entfernen. Schließlich kommen Elektro- oder solarbetriebene Fahrzeuge immer häufiger zum Einsatz – vom E-Greenkeeper-Buggy bis zum solarbetriebenen Golfcart . All diese Innovationen tragen dazu bei, den Pflegeaufwand effizienter zu gestalten, Kosten zu senken und zugleich Umweltbelastungen zu reduzieren.
Neue Saatgutmischungen und Materialien: Die Züchtung schreitet voran, um Gräser an wärmere, trockenere Bedingungen anzupassen. Neue Grassorten mit höherer Toleranz gegen Salz, Hitze oder Schädlingsbefall kommen auf den Markt und fließen in Saatgutmischungen ein.In Südeuropa setzen Verbände und Clubs verstärkt auf Bermudagras-Hybriden und andere Warm-Season-Gräser für Fairways. Auch neuartige Biostimulanzien (Algenextrakte, Mykorrhiza-Pilze, usw.) fördern die Stressresistenz der Gräser und reduzieren den Bedarf an chemischem Input. Summa summarum revolutioniert der technologische Fortschritt die Rasenpflege: Präzision und Automatisierung ermöglichen nachhaltigere Pflege trotz schwieriger werdender Klimabedingungen.
Südeuropa: Hitze- und Dürregebiete
Im Mittelmeerraum (Spanien, Südfrankreich, Italien, Griechenland) sind Wassermangel und Sommerhitze die größten Probleme. Golfplätze in Spanien und Italien benötigen oft immense Wassermengen, um traditionelle Gräser durch den Sommer zu bringen – mit jährlichen Bewässerungsverbräuchen von teils über 150.000 m³ pro 18-Loch-Platz. Die Region reagiert mit radikalen Schritten: Warm-Season-Gräser ersetzen zunehmend die durstigen Kühlzeit-Gräser. In Italien haben bereits zahlreiche Anlagen (z.B. Golf Montecchia, Parco di Roma) ihre Fairways auf Bermudagras umgestellt. Diese Umrüstung spart enorme Mengen Wasser, da Bermudagras in heißen Sommern deutlich genügsamer ist. Allerdings müssen Greenkeeper das Dormanz-Problem lösen: Viele südeuropäische Plätze akzeptieren braune Fairways im Winter oder schließen für einige Wochen, anstatt wieder zu wässern – so etwa in La Bagnaia, wo man bewusst kein Winter-Overseeding betreibt und während der Ruhephase einfach pausiert.Neben der Gräserwahl steht in Südeuropa das Wassermanagement im Fokus: Fast jeder neue Golfplatz wird mit großen Speicherteichen geplant, um Winterregen aufzufangen.
Bewässerungsanlagen werden auf höchstmögliche Effizienz getrimmt (Sektorberegnung, Tröpfelsysteme, Sensorsteuerung). In touristischen Regionen wie der Algarve (Portugal) und Costa del Sol (Spanien) nutzen viele Clubs gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen zur Fairway-Beregnung, um kostbares Frischwasser zu sparen – eine inzwischen gängige Best Practice. Beispiel: Die Golfplätze an der Costa Blanca (Spanien) beziehen bis zu 80 % ihres Wasserbedarfs aus recyceltem Abwasser der umliegenden Gemeinden (lokale Initiative). Außerdem fördern Verbände in Südeuropa das Anlegen von Xeriscaping-Flächen (Trockenlandschaften mit einheimischen Wildpflanzen) anstelle von pflegeintensivem Rasen in Randbereichen. So konnte z.B. in Griechenland ein Golfresort 10 Hektar Rasen in Wildwiesen umwandeln, was Wasser und Pflegeaufwand reduziert und die Biodiversität erhöht. Insgesamt setzen südliche Länder auf Wasser sparen, robuste Gräser und innovative Bewässerung, um trotz Klimawandel grüne Spielbahnen anbieten zu können.
Nördliche Regionen: Feucht-kühles Klima
In Nordeuropa (Britische Inseln, Skandinavien) sind Regen und Feuchtigkeit die dominierenden Faktoren – wenn auch gepaart mit kürzeren Wachstumsperioden. Großbritannien verzeichnet häufiger Starkregen und milde, sehr nasse Winter (Climate Change Challenges for Golf Courses – Inturf). Das führt zu Überflutungsschäden: Flüsse treten über die Ufer und fluten tiefliegende Fairways; stehendes Wasser fördert Pilzkrankheiten und Moos im Rasen. Golfplätze an Küsten bekommen zudem die Folgen des Meeresspiegelanstiegs zu spüren – Erosion nagt an Ufer-Grüns und Salzwasser kann ins Grundwasser eindringen. Die Strategien im Norden konzentrieren sich auf Drainage und Robustheit: Plätze investieren in verbesserte Entwässerungssysteme (z.B. engmaschige Drainrohre, Rigolen und Sickermulden), um Starkregen schnell abzuleiten. Einige Golfanlagen werden bewusst als Regenrückhaltebecken konzipiert – nach dem Prinzip der „Schwammstadt“ nimmt der Platz Überschusswasser auf und schützt so umliegende Gebiete vor Hochwasser (). In Norwegen, Schweden und Finnland, wo Winter traditionell kalt und schneereich waren, beobachtet man nun häufiger Eisbildungs- und Tauzyklen.Greenkeeper experimentieren daher mit Winterschutzfolien oder belüften das Eis, um Schimmel (Typhula-Schneeschimmel) vorzubeugen. Bei der Gräserauswahl setzen nördliche Plätze verstärkt auf festuca-dominierte Mischungen (Rotschwingel, Strandhafer auf Links-Plätzen etc.), da diese an magere, sandige und salztolerante Bedingungen angepasst sind und weniger Dünger brauchen. Auch Krankheitsresistenz ist ein Kriterium: Englische Golfclubs fördern zum Beispiel den Anteil von Schwingel und Ausdauer-Rispengras auf Greens, um den Einsatz von Fungiziden zu reduzieren (passend zu neuen Umweltauflagen). In Skandinavien läuft unter STERF (Scandinavian Turfgrass and Environment Research Foundation) ein Projekt zur Umsaat mit neuen Gräsersorten, die mit nasskaltem Klima besser zurechtkommen und dennoch Hitzetage tolerieren. Zudem kommt hier der Trend zu automatisierten Mährobotern verstärkt zum Tragen.
Mitteleuropa: Übergangsklima mit wechselnden Extremen
Mitteleuropäische Länder wie Deutschland, Österreich, die Schweiz oder Frankreich erleben eine Mischung aus beiden Extremen: heiße Sommer und zeitweise Trockenheit einerseits, aber auch Phasen mit Starkniederschlag und milden Wintern andererseits. Diese Wechselhaftigkeit stellt Greenkeeper vor die Herausforderung, ihren Rasen auf Gegensätze vorzubereiten. Dürre 2018 gefolgt von Regenfluten 2021 – solche Schwankungen sind keine Seltenheit mehr. Die Anpassungsstrategien in Mitteleuropa sind daher vielseitig:
Gräsermix und Anpassungsfähigkeit: Deutsche Golfanlagen etablieren gezielt trockenheitsresistente Gräser in den Hauptspielbereichen (). Der Anteil an Rohrschwingel und Wiesenrispe wurde in vielen Fairway-Mischungen erhöht, während man Pflegeintensivlinge wie Poa annua (Einjähriges Rispengras) zu reduzieren versucht. Gleichzeitig schätzt man aber auch die Wintergrün-Eigenschaften traditioneller Gräser – ein ausgewogener Mix soll beide Anforderungen (Hitzeverträglichkeit und Wintergrün) abdecken. Die Deutschen Rasengesellschaft aktualisiert jährlich Richtlinien, damit die Regelsaatgutmischungen dem Klima gerecht
Flexibles Wassermanagement: Während z.B. in Norddeutschland oft genug Regen fällt, müssen im süddeutschen und alpine Raum Plätze für mögliche Sommerdürre vorsorgen. Beregnungsleitungen werden dort mit mehr Sektoren und fein abgestufter Steuerung ausgerüstet, um sowohl Trockeninseln zu bewässern als auch bei Regen schnell abzuschalten. Einige Clubs – oft kommunal gefördert – investieren in Zisternen und Regenwasserzisternen, um Starkregen-Spitzen aufzufangen. Im Sportplatzbereich (Fußballplätze) sind automatische Beregnungsanlagen Standard, gekoppelt mit Sensoren, die nach einem Gewitterregen die Anlage für Tage deaktivieren können.
Bodenschutz und Regeneration: Mitteleuropa legt großen Wert auf Regenerationspflegen. Nach heißen Sommern werden Sportrasen im Herbst intensiv aerifiziert, besandet und nachgesät, um entstandene Lücken zu schließen. Beispielsweise fördert der Deutsche Fußball-Bund (DFB) kommunale Sportplatzträger, im Herbst Nachsaat und Bodenverbesserung durchzuführen, damit die Plätze winterfest und belastbar in die nächste Saison gehen. Zudem sind Pflegefenster fest etabliert – Perioden, in denen kein Spielbetrieb stattfindet, um dem Rasen Erholungszeit zu geben (wichtig nach Extremwetter-Ereignissen, damit die Grasnarbe regenerieren kann ()).
Schulungen und Programme: In Deutschland, Österreich und der Schweiz werden Greenkeeper und Platzwarte aktiv geschult, um Klimarisiken zu managen. Mit diesen vielfältigen Maßnahmen versuchen die mitteleuropäischen Plätze, sowohl mit Trockenphasen als auch mit Starkregen umzugehen. Der Ansatz ist ganzheitlich: Von der Saatgutauswahl über die Pflegetechnik bis zur Weiterbildung wird an allen Stellschrauben gedreht, um die Resilienz der Sport- und Golfplätze zu steigern.
Fazit
Der Klimawandel fordert im Bereich der Rasenpflege ein Umdenken und kontinuierliche Anpassung. Dürre, Schädlinge und Unwetter bedrohen die Gesundheit von Sport- und Golfrasenflächen in ganz Europa, wenn nach herkömmlichen Methoden gepflegt wird. Die vorgestellten Beispiele zeigen jedoch, dass Greenkeeper mit Innovationen und nachhaltigen Konzepten reagieren: Wasser wird effizienter genutzt, robuste Grasarten halten Einzug und High-Tech erleichtert die Pflege. Wichtig ist ein regional angepasster Ansatz – was in Spanien funktioniert (z.B. Bermudagras, Regenwasserspeicher), mag in England weniger relevant sein, wo statt Wassermangel eher Drainage im Vordergrund steht. Der Erfahrungsaustausch über Ländergrenzen hinweg – etwa durch europäische Greenkeeper-Veranstaltungen oder Initiativen wie Golf Environment Organization – hilft dabei, bewährte Lösungen zu verbreiten. Letztlich profitieren sowohl die Umwelt als auch die Sportler von diesen Maßnahmen: Nachhaltig gepflegte Rasenplätze bleiben auch unter veränderten Klimabedingungen bespielbar, sind ökologisch verträglicher und oft sogar wirtschaftlich günstiger im Unterhalt. Der Klimawandel ist somit Ansporn für Innovation und Best Practice in der Rasenpflege – hin zu zukunftsfähigen Sport- und Golfplätzen in Europa. Unser Sportrasen und Coaching Team berät Sie gerne.




