Rasenpflege

Martin Rinderknecht
7. März 2026

Rasenfilz im Naturrasen richtig beurteilen und pflegen
Rasenfilz ist auf Naturrasenflächen ein zentrales Thema, besonders bei Sportplätzen mit regelmässiger Belastung. Eine zu starke Filzschicht kann die Wasserdurchlässigkeit verschlechtern, die Scherfestigkeit der Grasnarbe beeinträchtigen und die Bespielbarkeit reduzieren. Gleichzeitig ist eine geringe organische Auflage im Rasenprofil normal. Entscheidend ist deshalb nicht, ob Filz vorhanden ist, sondern wie stark er ausgeprägt ist und welche Pflegemassnahmen daraus abgeleitet werden.
Was ist Rasenfilz?
Rasenfilz ist eine organische Schicht direkt unterhalb der grünen Vegetationsschicht. Sie besteht aus abgestorbenen und teilweise zersetzten Pflanzenteilen wie Ausläufern, Blattscheiden, Stängeln und flachen Wurzeln. Im Rasenprofil liegt diese Schicht zwischen der lebenden Grasnarbe und der darunterliegenden Rasentragschicht oder dem Oberboden. Darunter kann sich zusätzlich eine stärker zersetzte Übergangszone bilden.
Warum ist die Filzdicke wichtig?
Die Filzdicke beeinflusst zentrale Eigenschaften eines Naturrasens. Mit zunehmender organischer Auflage verändern sich die physikalischen Eigenschaften des Oberbaus. Besonders relevant sind die Wasserdurchlässigkeit, die Belastbarkeit der Oberfläche und die Scherfestigkeit der Rasennarbe. Auf intensiv genutzten Sportrasenflächen kann eine zu starke Filzschicht deshalb direkt zu funktionalen Problemen führen.
Wie entsteht Rasenfilz?
Rasenfilz entsteht, wenn mehr organische Substanz gebildet wird, als gleichzeitig abgebaut werden kann. Bestimmte Pflanzenteile zersetzen sich langsamer als frisches Schnittgut. Dadurch reichert sich organisches Material im obersten Horizont des Rasenaufbaus an. Wird diese Entwicklung nicht durch Pflege oder biologische Abbauprozesse ausgeglichen, nimmt die Filzschicht mit der Zeit zu. Durch Sand-Topdressing und natürliche Durchmischung kann sich zusätzlich eine Übergangszone mit organischen und mineralischen Anteilen entwickeln.
Rasenfilz messen
Die Filzdicke wird bestimmt, indem der Rasen geöffnet und das Profil direkt beurteilt wird. Dazu können ein Messer, ein Profilspaten oder ein Ausstecher verwendet werden. Die im Dokument beschriebene Prüfmethode orientiert sich an der DIN EN 12232 für Naturrasen. Dabei werden Probenkerne entnommen und nach dem Entspannen des Materials an mehreren Stellen gemessen. Für grössere Flächen sind mehrere Proben notwendig, damit die Beurteilung repräsentativ ist.
Warum die Beurteilung im Feld oft schwierig ist
In der Praxis ist die Abgrenzung zwischen Filzschicht und darunterliegender Übergangszone häufig nicht ganz eindeutig. Die einzelnen Horizonte gehen oft ineinander über. Mit einem Messer kann der Widerstand im Probenkern zusätzlich ertastet werden, um die Untergrenze der Filzschicht besser einzuschätzen. Gerade bei wiederholten Kontrollen ist eine einheitliche Vorgehensweise wichtig.
Welche Filzdicke ist akzeptabel?
Filzdicken von unter 5 mm gelten in vielen Fällen als akzeptabel, sofern die Fläche regelmässig gestriegelt und mit kleinen Sandmengen gepflegt wird. Bei Filzstärken von mehr als 10 mm sind gezielte Vertikutiermassnahmen sinnvoll, damit Durchlässigkeit und Scherfestigkeit erhalten bleiben. Diese Richtwerte helfen, mechanische Pflegemassnahmen nicht nach Gefühl, sondern auf Basis des tatsächlichen Zustands zu planen.
Welche Pflegemassnahmen helfen?
Striegeln
Striegeln eignet sich für die laufende Pflege und für die Entfernung abgestorbener Pflanzenteile. Diese Massnahme ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Filzschicht noch moderat ist und die Oberfläche regelmässig offen gehalten werden soll. In Kombination mit leichten Sandgaben kann die Entwicklung einer problematischen Filzschicht gebremst werden.
Vertikutieren
Vertikutieren ist eine intensivere mechanische Massnahme zur Reduktion stärkerer Filzschichten. Sie sollte gezielt eingesetzt werden, wenn die Filzauflage deutlich zu dick geworden ist und die Funktion der Oberfläche beeinträchtigt. Ziel ist, die Durchlässigkeit des Rasens zu verbessern und die Belastbarkeit der Grasnarbe zu erhalten.
Sanden und Topdressing
Kleinere Sandmengen nach mechanischen Pflegemassnahmen helfen, organische Schichten zu verdünnen und die Struktur im obersten Bereich der Rasentragschicht zu stabilisieren. Diese Massnahme unterstützt langfristig eine funktionierende Oberfläche und hilft, die Filzbildung besser zu kontrollieren.
Fazit
Rasenfilz ist ein wichtiger Indikator für die Pflege und Funktionsfähigkeit von Naturrasen. Eine geringe Filzschicht ist nicht automatisch problematisch, doch mit zunehmender Stärke steigen die Risiken für Einschränkungen bei Wasserdurchlässigkeit, Scherfestigkeit und Bespielbarkeit. Wer die Filzdicke regelmässig kontrolliert und die mechanische Pflege darauf abstimmt, schafft die Grundlage für einen belastbaren und dauerhaft funktionsfähigen Sportrasen.
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