Martin Rinderknecht
28. Januar 2026
Gartenlaubkäfer im Rasen (Phyllopertha horticola): Erkennen, vorbeugen, bekämpfen
Der Gartenlaubkäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) – in der gleichen Verwandtschaft finden sich auch Mai- und Junikäfer. Für Rasenflächen ist er besonders relevant, weil nicht der Käfer selbst, sondern vor allem seine Larven (Engerlinge) die Wurzeln schädigen. Die typischen Hauptschäden werden meist von Ende Juli bis Mitte Oktober sichtbar. In der Regel entwickelt sich eine Generation pro Jahr.
So erkennst du den Gartenlaubkäfer
Adulte Käfer
Grösse: 8–12 mm
Auffällig: metallisch dunkelgrünes bis fast schwarzes Halsschild
Flügeldecken: rotbraun und behaart
Lebensdauer als Käfer: ungefähr 3 bis 38 Tage
Flugzeit: meist Ende Mai bis Anfang Juli
Im Alltag werden die Käfer oft gar nicht gross wahrgenommen – die eigentlichen Probleme kommen später, wenn die Engerlinge an den Wurzeln fressen.
Lebenszyklus: Warum der Schaden erst später kommt
Der Gartenlaubkäfer durchläuft Ei → drei Larvenstadien → Puppe → Käfer.
1) Flug und Paarung (Mai/Juni)
Die Käfer kommen häufig nachts aus dem Boden.
Die Weibchen werden rasch auf dem Rasen begattet.
2) Eiablage
Das Weibchen kriecht danach ca. 5–16 cm in den Boden zurück.
Es legt einen grossen Teil (oft den Hauptanteil) der insgesamt 30–40 Eier in der Nähe der Paarungsstelle ab.
Nach Reifefrass (die Käfer fressen an Laub von Bäumen/Sträuchern) kann eine zweite Eiablage in geeigneten Rasenflächen im Umkreis folgen.
3) Larven (ab ca. drei Wochen nach Eiablage)
Die frisch geschlüpften Larven sind zunächst weniger problematisch.
Erst Larven im 2. und 3. Stadium fressen deutlich an den Graswurzeln.
Das führt häufig zu Sekundärschäden: Die Gräser leiden unter Wassermangel, weil die Wurzeln fehlen.
4) Warum manchmal Wildschweine & Co. „mithelfen“
Larven des 3. Stadiums sitzen oft direkt unter der Grasnarbe.
Sie sind leichte Beute – Vögel, Dachse, Maulwürfe oder Wildschweine können bei der Futtersuche die Narbe stark aufreissen. Der Folgeschaden kann dann grösser sein als der eigentliche Wurzelfrass.
5) Überwinterung und Verpuppung
Ab Mitte Oktober wandern die Larven tiefer (bis ca. 40 cm).
Verpuppung im April, Dauer ungefähr vier Wochen.
Typische Schadbilder im Rasen
Gelbliche, welkende Stellen trotz Bewässerung
Rasen lässt sich wie ein Teppich anheben (fehlende Wurzelbindung)
Zunehmend lückige Narbe, schlechtere Regeneration
Zusätzlich möglich: aufgewühlte Flächen durch Tiere, die Engerlinge suchen
Wo der Gartenlaubkäfer besonders gern Eier ablegt
Der Gartenlaubkäfer bevorzugt:
sandige Böden
trockene, sonnige Lagen
Bereiche mit Laubbäumen oder Sträuchern in der Nähe
eher lückige Rasennarben
Eine lückige Narbe erwärmt sich stärker und strahlt mehr Wärme ab – das wirkt offenbar anziehend bei der Platzwahl. Dichte, hohe Bestände hemmen dagegen die Eiablage.
Vorbeugung: Das bringt in der Praxis am meisten
Dichte Rasennarbe aufbauen und halten
ausgewogene Nährstoffversorgung
gleichmässige Wasserversorgung
konsequente, angepasste Pflege
Während der Flugzeit (Ende Mai bis Anfang Juli)
nicht tief schneiden, eher etwas höher mähen
→ kann das spätere Larvenauftreten deutlich reduzierenlückige, sonnenexponierte Bereiche gezielt bewässern, um den Boden abzukühlen
grundsätzlich: Stress (Trockenheit, zu tiefer Schnitt) vermeiden, weil gestresste Flächen attraktiver sind
Befall prüfen: Wie du die Menge abschätzt
Eine Bekämpfung wird meist erst dann sinnvoll, wenn der Befall hoch ist. Als grobe Orientierung gilt:
ca. 100 Larven pro m² als wirtschaftliche Schwelle
Einfache Methode mit Bohrkern/Lochbohrer
Mehrere Bohrkerne ziehen (verteilt über die Fläche, auch in Randzonen und Schadstellen).
Faustregel: 1 Larve pro Bohrkern (je nach Kerngrösse) kann ungefähr der Grössenordnung von 100 Larven/m² entsprechen.
Bekämpfung: Was realistisch wirkt (und wann)
1) Mechanisch
In der Praxis schwierig, weil die Larven im Boden geschützt sind.
Junge Larven (Juli/August) reagieren empfindlicher auf Störungen – striegeln kann dann helfen, ist aber kein „Allheilmittel“.
2) Chemisch
Nur eingeschränkt möglich (Zulassung/Anwendung).
Wirkung ist in vielen Fällen begrenzter als erhofft.
3) Biologisch: Entomopathogene Nematoden
Hier gab es in den letzten Jahren gute Erfahrungen – vor allem mit Heterorhabditis bacteriophora.
So funktioniert es (kurz)
Die Nematoden dringen über natürliche Öffnungen in die Larve ein.
Sie setzen symbiotische Bakterien frei (z. B. aus der Gattung Photorhabdus).
Nach wenigen Tagen stirbt die Larve, danach vermehren sich die Nematoden im Wirt.
Zeitfenster
Häufig ab Mitte Juli bis Ende September am wirksamsten, weil die Larven noch jung sind.
Wichtige Erfolgsfaktoren
Bodenfeuchte: Nematoden brauchen einen Wasserfilm zum Wandern.
→ nach Ausbringung gründlich einregnen und den Boden mindestens 2 Wochen gut feucht haltenTemperatur: mindestens ca. 12 °C Bodentemperatur, starke Hitze meiden
Ausbringzeit: lieber morgens oder abends (weniger UV, kühler)
Applikation: meist mit Spritze/Schlauchsystem; noch besser sind Methoden, die die Nematoden möglichst bodennah platzieren
Dosierung (Praxiswert aus Versuchen)
Grössenordnung von 500’000 Nematoden pro m² wird oft als ausreichend genannt (je nach Produkt und Empfehlung des Herstellers).
Beste Strategie in einem Satz
Im Juni/Juli vorbeugen (höher mähen, Stress reduzieren), im Juli/August kontrollieren (Bohrkerne), und bei relevantem Befall früh im Larvenstadium gezielt mit Nematoden arbeiten – immer mit konsequenter Bodenfeuchte.





